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Sempach wurde an der Zufahrtsstrasse zum Gotthard um 1235 von den Habsburgern gegründet und wäre wahrscheinlich - wie die meisten anderen Stadtgründungen dieser Zeit - aus der Erinnerung der Menschen gefallen, wäre die für die Stadt Luzern so wichtige Schlacht am 9. Juli 1386 nicht oberhalb dieses Städtchens geschlagen worden.
Schon lange vor der Stadtgründung war der Raum um Sempach besiedelt: stein- und bronzezeitliche Funde aus dem See, spätrömisches Gemäuer und Steinkistengräber in Kirchbühl dokumentieren dies.
Das Museumsgebäude, das ehemalige Rathaus, wurde 1474 gebaut. Ursprünglich war es ein freistehender Bau, heute ist es in die Häuserzeile integriert. Ehemals umfasste es alle für ein öffentliches Gebäude notwendigen Räumlichkeiten: Kleiner und Grosser Saal, Archivräume, Kapelle und offene Lauben für den Markt. Das Haus besitzt, an der Grösse der Stadt gemessen, recht bedeutende Dimensionen.
Im ersten Stock befand sich eine offene Laube, die heutige Tuchlaube. Hier wurden zu der Zeit als Sempach noch ein Marktort war, Waren verkauft und gelagert (u.a. Tuche und Stoffe). Gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts, als das Marktleben an Bedeutung verlor und Ladengeschäfte die Stadt umgestalteten, benutzte man die luftdurchflossene Laube als Trockenraum für die im nahe gelegenen Waschhaus gereinigte Wäsche. Der Ort wurde zur Tuchlaube in einem anderen Sinn. Während des 2. Weltkrieges diente sie als Unterkunft für Internierte. Von 1946 bis 1954 war im seeseitigen Teil der Tuchlaube die Schweizerische Vogelwarte untergebracht.
Im zweiten Stock liegt der gotische Bürgersaal. Grosse Teile davon wurden allerdings Ende des 19. Jahrhundert durch Seraphin Weingartner erneuert. Er diente als Rats- und Gerichtssaal, als Schulstube und Ort öffentlicher Lustbarkeiten. Seit den Umwälzungen der französischen Revolution ist das Rathaus und damit auch der Saal im Besitze der Korporation (Nachfahren der alt-eingesessenen Familien). Er diente dieser bis zur Einführung des Frauenstimmrechtes als Versammlungsort, unter anderem auch anlässlich der jährlichen Verlosung des Bürgernutzens in Form einer Holzbeige. Heute ist der Saal ein Teil des Museums und kann für Empfänge und Apéros gemietet werden.
Im Saale befinden sich heute sieben Kabinettsscheiben von grossem Wert. Sie werden Jakob Wägmann zugeschrieben und sind anlässlich von Bautätigkeiten als Geschenke ins Rathaus gekommen: Uri mit Apfelschuss-Szene, 1639; Schwyz mit Bannerträger, 1641; Unterwalden mit dem Kampf Winkelrieds gegen den Drachen, der Erschlagung Wolfenschiessens durch Baumgarten, 1639; Zug mit Bannerträger, 1641; Willisau mit der Heiligblutgeschichte, 1621; Sempach mit dem Bild der Schlacht, 1639.
1814 beschloss der Rat von Sempach, die Scheiben aus dem Raume zu entfernen. Sie wurden an den Komponisten Xaver Schnyder von Wartensee verkauft. Später erschienen sie im Kunsthandel und kamen in Amerika in den Besitz von H.C. Honegger, einem Auslandschweizer. Dieser schenkte sie 1950 der Stadt Sempach.
Der Kachelofen stammt aus dem Jahre 1888. Der Leuchter ist ein Geschenk der Innerschweizer Kantone und erinnert an das grosse Schlachtjubiläum 1886.
Im Gang befindet sich ein Riesengemälde von Jean-Elie Dautun. Es zeigt den Tod Winkelrieds. Es wurde 1886 Sempach geschenkt. Das Madonnenbild aus dem 17. Jahrhundert zeigt eine Darstellung der Stadt Sempach. Auf einer Holztafel ist das Wappen von Luzern und zwei von Sempach zu sehen. Das Holzrelief mit gleichem Motiv dürfte einst über der Eingangstür Rathauses gehangen haben.
Das Rathausmuseum Unser Museum in der einstigen Tuchlaube versucht, Einblick in das alltägliche Leben vergangener Jahrhunderte zu geben. Es zeigt vor allem, wie Handwerker und Bauern mit einfachen Mitteln ihren Lebensunterhalt verdienten.
Die wichtigste wirtschaftliche Grundlage der Gegend bildete die Arbeit in Feld und Wald.
Der Getreidebau ist durch Kornmasse, schmucke Kornsäcke, Getreidewaagen, einen Aargauerpflug, Eggen, Schaubbänder usw. dargestellt. In diesem Raum sind kirchliche Gegenstände ausgestellt. Sie lenken den Blick von der bäuerlichen Lebensweise auf das Bewusstsein, dass der Mensch von natürlichen Gegebenheiten abhängig ist. Ausdruck dieses Bewusstseins und der frommen Lebenseinstellung sind die sakralen Gegenstände, wie: Wettersegenmonstranz, Auffahrtsumrittmonstranz, romanisches Vortragskreuz von der Mutterkirche St. Martin auf Kirchbühl aus dem 12. Jahrhundert, eine spätgotische Turmmonstranz, um 1480, ein barockes Vortragskreuz, um 1650, Messkännchen mit Lavabo, um 1660, barocke Kelche, ein moderner Martinskelch und ein Versehkreuz.
Neben den kirchlichen Kunstwerken erblicken wir das Sempacher Ratsilber. Leider sind nur noch sieben Becher aus einer sehr viel grösseren Anzahl erhalten geblieben. Jeder neu aufgenommene Bürger hatte früher einen Becher auf das Rathaus zu spenden.
An das städtische Element erinnern Banner, Siegel, Weibelschild und Weibelstab. Die zögernde, zeitweise rückläufige Entwicklung der Stadt ist an den beiden Stadtmodellen zu sehen. 1804 wurde der See um nicht ganz zwei Meter abgesenkt. Darum liegt das Städtchen heute nicht mehr direkt am See. Erst Ende des vorletzten Jahrhunderts begann Sempach aus seinen Mauern herauszuwachsen.
Aus dem Stadtturm stammen die Turmuhr und die Windfahne. Aus der Kirche St. Stephan rührt die Karfreitagsraffel und die grosse Turmuhr. Vom Hohen Donnerstagabend bis Karsamstagabend schweigen auch heute noch die Glocken der katholischen Kirchen. Früher wurde in dieser Zeit der Gottesdienstbeginn mit der Raffel angezeigt, was natürlich nur in der näheren Umgebung vernommen werden konnte.
Ein grosses Relief bringt den möglichen Verlauf der Schlacht bei Sempach zur Darstellung.
Der seeseitige grosse Raum der Tuchlaube enthält Zeugnisse des häuslichen Lebens, des städtischen Gewerbes, der Viehzucht und Milchwirtschaft. Die Stadt als Ort eigener Produktion beherbergte eine Vielzahl von Handwerkern und Berufsleuten, zum Teil als Bruderschaften organisiert, wie Küfer, Schuhmacher, Sattler, Weber, Wagner, Schmiede, Bäcker, Metzger usw. Die Fischerei ist nur mit Netz und Reuse angedeutet. Der Fischreichtum des Sempacher Sees ist vielfach nachgewiesen. In Sempach war der Sitz des von den Gnädigen Herren von Luzern ernannten Seevogts (Seevogtey). Zu sehen sind die Bodenfunde aus der Steinzeit bis zur alemannischen Landnahme. Die Grabungen in der ältesten Kirche des Kantons Luzern, St. Martin auf Kirchbühl, sind durch ein Modell festgehalten. Sempach, an einem Handelsweg gegründet, bezog aus den ZöIlen wichtige Einkünfte, erhielt Arbeit in Schenken, Sust und Schiffslände und trat gegenüber der Landschaft als Markt auf.
An der Fensterfront finden wir die Familienwappen der alten Sempacher Geschlechter (von Jean Danner).
Im Zwischenraum berichten Feuereimer und Feuerhorn von der Angst der Menschen vor der Gewalt des Feuers, der sie meist wehrlos gegenüberstanden. Wie ernst zum Beispiel der Besitz eines Feuereimers genommen wurde, sagt jene Aufzeichnung vom 1. Dezember 1732 in der Stadt Luzern: den Priestern wird verboten, solche vor dem Altar zusammenzugeben, die den Feuereimer nicht angeschafft haben.
Der seeseitige kleine Raum der Tuchlaube, genannt Sempacher Stube, zeigt eine Vielzahl von Zeugnissen der Schlacht. Es sind Holzschnitte, Kupferstiche, Bücher und Bilder, die an die Akteure selbst und an die Beziehung der Nachwelt zu diesem Ereignis erinnern.
Zum Schluss seien noch die Begründer unseres Museums erwähnt: Dr. Gottfried Boesch, Professor an der Universität Fribourg und Konservator des Schlosses Heidegg, Hans Helfenstein, langjähriger Gemeindepräsident und Korporationsschreiber, Fritz Steger, Lehrer, Geschichtsforscher und Ehrenbürger von Sempach.
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