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Auffahrtsumritt

Pferde
Beschreibung

Die Ursprünge

Der Umritt an Auffahrt hat seinen Ursprung im Umgehen des Pfarreibannes oder der Pfarreigrenzen im Sinne von Kontrollgängen. Im späteren Mittelalter wurde ein Teil der Umgänge religiös überformt und in Prozessionen umgewandelt. Der Auffahrtsumritt im engeren Sinn entstand auf Luzerner Gebiet im frühen 16. Jahrhundert, als bereits bestehende Prozessionen als Ausdruck eines repräsentativen Selbstverständnisses zu gross angelegten, sinnenfälligen Umritten weiter entwickelt oder die Umritte, ohne dass sie an bekannte Vorgängerprozessionen anknüpften, überhaupt erst aus der Taufe gehoben wurden. Beromünster, der nach wie vor grösste Auffahrtsumritt, machte 1509 den Anfang. Altishofen, Ettiswil, Grosswangen, Hitzkirch und Sempach folgten Jahre respektive Jahrzehnte später. Die Umritte in diesen Luzerner Gemeinden sind schweizweit die einzigen, die heute noch durchgeführt werden.

 

Der Sempacher Auffahrtsumritt 1589

Das genau Entstehungsjahr des Sempacher Umrittes liegt im Dunkeln, dürfte aber um ca. 1520 anzusiedeln sein. Eine plausible Hypothese bringt die Einführung des Umritts mit der Person des Münsterer Chorherrn und späteren Sempacher Leutpriesters Johannes Feer in Verbindung. Eine erste instruktive Schilderung des Sempacher Auffahrtsumrittes ist aus dem Jahr 1589 überliefert von Jakob Widmer, Chorherr in Beromünster und zwischen 1585 und 1590 Leutpriester in Sempach. Danach brach die Prozession frühmorgens um 5 Uhr auf und machte sich auf den Weg, der ungefähr den Pfarreigrenzen entlang verlief: Sempach - Kirchbühl - Horlachen - Schopfen - Hildisrieden - St. Anna - Holzmatt - Mettenwil - Allmend - Seesatz - Sempach. Damit folgte die damalige Prozession ziemlich genau entlang der heute noch üblichen Route, nur dass man heute, anstatt bei der Allmend westlich gegen den Seesatz abzuzweigen, südlich in Richtung Gritzenmoos/Adelwil zieht.

 

Von Husaren und Auffahrtsmusik

Begleitet wurde der Umritt im 19. Jahrhundert von Husaren, die sich als Zugs- oder Prozessionsordner betätigten; eine Funktion, die heute von berittenen Dragonern wahrgenommen wird. Eine weitere Aufgabe der Husaren, das an den verschiedenen Prozessionsstationen getätigte Anzeigen der Segenserteilung mittels Abfeuerns von Pistolen, nimmt heute die Umrittsmusik wahr.

Facts & Figures

Über die zahlenmässige Beteiligung an diesen Umritten erfahren wir erst im 19. Jahrhundert etwas. Damals und noch in den 1930er-Jahren zählte man neben viel Fussvolk an die 200-300 Berittene. Mit dem Aufbruch in die «moderne» Gesellschaft der Nachkriegszeit sank die Umrittsbeteiligung im Zuge der landwirtschaftlichen Mechanisierung (weniger Pferde), der zunehmenden Abkehr von Religiosität und pluralistischen Gesellschaftstendenzen signifikant.

 

Christus am Seil

Ein schöner und vor allem die Kinder begeisternder Sempacher Auffahrtsbrauch war noch bis in die 1960er-Jahre, dass im Anschluss an den Umritt in der Pfarrkirche eine Figur, der auferstandene Christus «am Seil», vom unter dem Chorbogen platzierten Altar in den Kirchenestrich aufgezogen wurde.

 

Der Sempacher Auffahrtsumritt heute

Der Auffahrtsumritt hat seinen Charakter über die Jahrhunderte hinweg im Wesentlichen beibehalten: Nach wie vor werden beispielsweise - wie seinerzeit von Leutpriester Widmer beschrieben - an verschiedenen Stationen Gebete vorgetragen und der Segen erteilt oder in Kirchbühl und in Hildisrieden Messen gelesen; natürlich: die Gebete sind «moderner», die liturgischen Reflexikonen der heutigen Zeit angepasst, der Aufbruch von Sempach etwas später, auf 6 Uhr, angesetzt. Aber trotz gesunkener Teilnehmendenzahlen hat der Auffahrtsumritt nichts von seiner sinnenfälligen und spirituellen Kraft verloren - ein Erlebnis, an dem teilzunehmen sich absolut lohnt.


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