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Fronleichnam

Pferde ziehen Kanonen
Beschreibung

Da wenig verbreitet und nur in katholischen Gegenden gefeiert, könnte man Fronleichnam als eines der weniger auffallenden Kirchenfeste annehmen; aber weit gefehlt: Salutschiessen, Prozession und abundante Ausschmückung der Häuserfenster machten Fronleichnam zu einem sinnenfälligen Festtag sondergleichen. Im Vergleich zu den «frommeren» 1950er-Jahren kommt Fronleichnam heute zwar schlichter daher. Eindrücklich ist das Fest mit dem bei schönem Wetter am See gehaltenen Hochamt aber alleweil.

 

Festzweck

Das Fronleichnamsfest, auch Herrgottstag, ist das Fest der leiblichen Gegenwart Christi in der Eucharistie. Seit dem Vierten Laterankonzil im frühen 13. Jahrhundert gilt in der katholischen Kirche das Dogma der leiblichen Vergegenwärtigung Christi im Anschluss an die liturgische Wandlung. Während der Ämter und an Fronleichnam sichtbar ist Christus im Allerheiligsten Altarssakrament, einer konsekrierten Hostie.

 

Altäre, Kerzen, Blumenschmuck und Heiligenfiguren

In Sempach wurde das «Allerheiligste» bis in die 1960er-Jahre in einer feierlichen Prozession durch das ganze Städtchen getragen. Dabei war die Hostie eingelassen in eine Monstranz, die der unter dem «Himmel», einem Baldachin, schreitende Pfarrer in seinen Händen hielt. Entlang der Prozessionsroute hatte man die Häuserfenster und Hauseingänge geschmückt mit Heiligenfiguren oder Heiligenbildern, Kreuzen, Kerzen, Blumen und/oder Buchenlaub. Wichtige Bestandteile und Stationen waren die entlang der Prozessionsroute errichteten vier Altäre bei der Stadtmühle, beim Schulhaus, beim Gasthaus Krone und bei der Kirche. Dabei hatten jeweils

die Stadtmühle, Einwohnergemeinde, Kronenwirtschaft und Ochsenwirtschaft diese Altäre herzurichten. Mit zu den Altären gehörten auch besondere Kniebänke für die Kirchenräte.

 

Die Prozessionsteilnehmenden

Die Prozessionsteilnehmerinnen und -teilnehmer stellten sich in zwei Kolonnen auf, auf jeder Strassenseite eine, an erster Stelle die Schüler mit ihren Lehrern. Es folgten die Kongregationen der Jungfrauen und Jünglinge, Musik und Kirchenchor, dann die Geistlichen und Messdiener und schliesslich junge Frauen oder Mädchen in weissen Gewändern und der Pfarrer mit der Monstranz. Mitbegleitet wurde das Allerheiligste von den Kerzen tragenden Kirchenräten in schwarzen Mänteln. Den Schluss der Prozession bildeten die Frauen und Männer.

 

Gebet, Reflexion, Musik

Es versteht sich von selbst, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der Prozession unablässig beteten. An den Altarstandorten selbst las man aus den Evangelien Texte über die Einsetzung des Altarsakramentes vor. Musikalisch umrahmt wurde die Prozession mit einem durch das Volk auf Deutsch gesungenen Lied, und der Kirchenchor und Festmusik trugen zusammen die zu Ehren des Allerheiligsten verfasste Hymne «Tantum ergo» vor. Das Ende der Prozession markierte der Segen, untermalt mit einem Tusch der Musik, der seinerseits Zeichen für das Abfeuern von Böllerschüssen war.

 

Militär und Böllerschiessen

Seit 1929 werden die Prozessionen von Militär begleitet. 1985 «ersetzten» ab 1989 von einem Offizier angeführte Grenadiere in wechselnder Anzahl die bisher mitwirkenden Soldaten. Eine weitere Truppengattung, die Kanoniere, ist zuständig für das Böllerschiessen. Das Böllerschiessen ist in den Sempacher Stadtrechnungen 1631 erstmals fassbar, wurde zwischenzeitlich aber mehrmals eingestellt. Ab 1929 nehmen diese Aufgabe die Kanoniere der Corporis-Christi-Bruderschaft mit ihren zwei Kanonen wahr.

 

Das Sempacher Fronleichnamsfest heute

Wie der Auffahrtsumritt ist auch Fronleichnam ein im kirchlichen Jahreskalender traditionell verankertes Fest, das im Kern Jahrhunderte überdauert hat. Stärker als «dort» ist «hier» die Tradition angepasst, umgeformt worden. Auf das Ausschmücken der Häuser wird heute weitgehend verzichtet, die vier Altäre fehlen und die Prozession folgt einer angepassten Strecke vom Ort des Hochamtes am See hin zu Kirche; und dennoch: Das Sinnenfällige des Festes ist präsenter denn je. Akustisch unverkennbar – die Böllerschüsse, eindrücklich – die Kanonen-/Pferdegespanne, nicht mehr wegzudenken – die schneidig-farbenfrohen Grenadiere und mehr als ein würdiger Hausschmuck-Ersatz – die wunderbar naturbelassene, frühsommerliche Seeallee als zentraler Festort.


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